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| Schmetterlinge fallen auf! So sind sie in die Kultur vieler Völker eingegangen. Sie erwecken den Eindruck von Zerbrechlichkeit und Flüchtigkeit, und ihre Schönheit wird als außergewöhnlich empfunden. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sich die Beziehungen zwischen Mensch und Schmetterling hauptsächlich im Bereich des Magischen und Symbolhaften abspielen. Schmetterlinge in der Sprache Zunächst erstaunt, dass die Vielfalt der Arten in der menschlichen Sprache offenbar selten eine Entsprechung gefunden hat. Dies leuchtet aber vielleicht ein, wenn man berücksichtigt, dass Schmetterlinge nicht genutzt werden können wie etwa Heilpflanzen, zu deren Unterscheidung entsprechende sprachliche Kategorien erforderlich sind. Es gibt nur wenige Kulturen, die verschiedene Arten mit unterschiedlichen Namen belegen. Von einem mexikanischen Indianervolk ist bekannt, dass es sogar nur einen einzigen Begriff für alle Schmetterlinge, Vögel und Fledermäuse benutzt! Die charakteristische Flugbewegung, das Auf und Ab der Schmetterlingsflügel, wird in vielen Spachen lautmalerisch mit dem Wiederholen einer oder zweier Silben wiedergegeben:
Das deutsche Wort "Schmetterling" hingegen geht vermutlich auf mittelalterlichen Aberglauben zurück: Die Falter waren im Volksglauben verkleidete Hexen, die in dieser Gestalt in Speisekammern und Keller schlichen, um dort den Rahm, den "Schmetten", zu stehlen. Das englische "butterfly" scheint den selben Ursprung zu haben. Dass in unserer Kultur die Falter schon lange mit großer Aufmerksamkeit wahrgenommen werden, davon zeugt eine Vielzahl volkstümlicher Namen. Viel Phantasie und Sinn für Symbolik spricht aus den gewählten Bezeichnungen - und ein offensichtliches Vergnügen an einem nicht zweckgebundenen Benennen von "Objekten", die den Menschen in der Natur umgaben. |

| Falter als magische und religiöse Symbole Die geheimnisvolle Metamorphose der häßlichen Raupe zum prachtvollen Schmetterling regte die Phantasie des Menschen ebenso sehr an wie die flüchtige Schönheit und fast unkörperliche Erscheinung der Falter. "Herr der Geschöpfe" heißt der Schmetterling bei den Bengalen im Fernen Osten, "Glänzendes Insekt Gottes" bei den Khmers im heutigen Kambodscha und "Gottesgeschöpf" nennen ihn die Iren. Bereits vor 3.500 Jahren war er bei den Ägyptern Motiv für Pharaonenräber und Wandmalereien. Die Alten Ägypter glaubten, dass man nach dem Tod noch immer am Nilufer Vögel jagen und sich an Schmetterlingen erfreuen könne. Die griechischen Philosophen sahen im Schmetterling die Erscheinungsform der menschlichen Seele und zugleich Sinnbild für deren Unsterblichkeit. Nachtfalter wurden im vorchristlichen Griechenland als Seelen der Verstorbenen verehrt. Die Familie der Psychidae ist noch heute nach dem griechischen Wort für "Seele", "Psyche", benannt. Seit dem klassischen Altertum gelten Schmetterlinge auch als Symbole für Anmut und Liebe. Im Märchen von Amor und Psyche etwa tritt die holde Jungfrau mit Schmetterlingsflügeln geschmückt auf. Im Christentum gilt der Schmetterling als Symbol der Auferstehung: die häßliche Raupe, die am Boden kriecht, wird zur bewegungslosen, gleichsam totenstarren Puppe. Aus dieser schlüpft dann nach gewisser Zeit der prachtvolle, geflügelte Falter! Im Mittelalter hingegen führte finsterer Aberglaube dazu, in den schönen Insekten Irrlichter, Hexen und Gespenster zu sehen, die die Menschen täuschten, verführten und ihre Vorräte stahlen. Nachtfaltern gab man die Schuld an Albträumen. In der Schweiz stellte man sich vor, die Falter setzten sich den Menschen nachts auf die Brust und brachten so die bösen Träume. Der Totenkopfschwärmer mit seiner düsteren Färbung und der Zeichnung auf dem Rücken, die an einen Totenschädel erinnert, wurde vielerorts als Unglücksbote und Todesverkünder gefürchtet. Diese Bedeutung ist sogar in seinen wissenschaftlichen Namen eingegangen: Acherontia atropos. Acheron ist in der griechischen Mythologie der Jenseitsfluss im Totenreich, Atropos die den Schicksalsfaden abschneidende Schicksalsgöttin. In Böhmen glaubte man, für ein Jahr Glück in Geldsachen zu haben, wenn im Frühjahr der erste Schmetterling, den man zu Gesicht bekam, weiß war! ©Text: Jura Museum Eichstätt |